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Die Badewelt Sinsheim empfängt wieder Gäste

Badespaß in Sinsheim am Tag 1 nach Corona: Erste Eindrücke.

 

Nach rund drei Monaten Zwangspause hat die Badewelt Sinsheim seit Montag (22. Juni) wieder geöffnet. Ein erster Blick auf den Parkplatz verrät: Der Ansturm am Morgen des Tages 1 nach Corona ist verhalten. Einige Familien mit kleinen Kindern, ansonsten meist Leute im Mittelalter. Sie alle wollen wieder Freude haben am Schwimmen, Plantschen, Spielen, Relaxen und Schwitzen.

Wie schaut die Welt in Sinsheim am Tag 1 nach Corona aus?

Ohne online geht gar nichts. Wer Zutritt will, muss auf der Homepage www.badewelt-sinsheim.de online buchen. erhält einen QR-Code und muss diesen an der Kasse vorzeigen. Nichts ist mehr wie zuvor - es gibt vorerst nur 2 Tarife. "Tag": 8 - 16 Uhr, dann ist Halbzeit, und alle müssen raus, es wird desinfiziert. Anschließend ist "Abend": 17 - 23 Uhr (samstags 17 - 24 Uhr). Ein Preisbeispiel: 41 Euro pro ausgewachsene Nase für ein halbtägiges Komplettangebot ist nicht von Pappe.

Maskenpflicht für die Gäste gibt es nicht. Die meisten Bediensteten tragen ein transparentes Schutzschild vor dem Gesicht. Die Szenerie erinnert ein bisschen an Raumpatrouille Orion.

Noch vor den ersten Türen empfängt uns ein Security-Mann und fragt nach unserer Einlasszeit. Ein Zeitfenster kann/muss man beim Online-Bestellen angeben. Verrückte Corona-Zeit: Wer zu früh kommt, den bestraft der Security-Mann, und lässt einen erst gar nicht rein. Wer zu spät kommt, den bestraft er nicht, der kann rein.

Die Eingangshalle verströmt keine Wohlfühlatmosphäre. Vor den Kassen ist ein Labyrinth aus Gummibändern aufgebaut, wie wir es vor den Abfertigungsschaltern der Großflughäfen kennen. Ein wenig Musik täte gut, vielleicht kommt sie noch. Der Check-In an der Kasse läuft reibungslos, wir sind drin.

Unzählige Pfeile, Abstandmarkierungen, Warntafeln und Hinweisschilder pflastern und säumen den Weg ins Innere, und dort gibt es zahllose weitere. Die Dame an der Kasse gab uns eine Karte mit einer Nummer. Eine weitere Empfangsdame kontrolliert die Karte, hält eine Art Passagierliste im Arm und fragt nach dem Namen. "Wieso?" "Damit nichts schiefgehen kann." "Was soll da schiefgehen?" Eine Antwort gibt es nicht. Stattdessen führt uns besagte Empfangsdame zur reservierten Liege, darauf hat aber jemand anders schon seine Marker gesetzt. Sie entschuldigt sich, räumt ab und desinfiziert. Alles gut.

Zwei Stunden nach Wiedereröffnung sitzen wir im Heustadl, allein. Auf den Bänken sind Holzbohlen montiert, die zu Abstand nötigen. Es gibt Kräuteraufguss, aber nicht wirklich. Lediglich ein Kessel mit Birkenzweigen und Grünzeug wird über den Saunaofen gehängt. Ein Aufguss wie vor Corona, mit Wedeln und Abschlagen, ist nicht. Die Verordnung. Auch Eis auf den Ofen geht nicht. Was siedender Wasserdampf in einer 80 Grad heißen Luft für Gesundheitsgefahren birgt, weiß die freundliche Kräuterdame nicht.

Zu anderen Zeiten gibt es - ein nettes Bonmot - Geschichtserzählungen aus dem Lautsprecher. Das blaue Licht, zum Beispiel. Vom undankbaren König, seiner Tochter und dem Soldaten, der Hexe und dem Männchen. Eines der schaurigen Märchen der Gebrüder Grimm.

Das Restaurant ist in Betrieb, die Bestuhlung wurde ausgedünnt, was nicht weiter negativ auffällt.

Ansonsten schaut's öde aus. Die große Schwalldusche ist vertrocknet, ebenso die Bar am Pool. Kein Personal, keine Gläser, keine Flaschen in den Regalen, nichts. Windstille statt Hurricane, Lockdown statt Touch down, kein Sex on the Beach.

Oder doch? Gegen Mittag regt sich was hinterm Tresen. Der Barkeeper ist aufgetaucht, Wodka, Tequila und Pimm's finden wieder ihre angestammten Plätze, noch eine halbe Stunde, sagt er.

Neues Leben in der Badewelt. Die ersten Gäste sind diszipliniert, guter Laune, versprühen Normalität. Getratscht wird über Alltagssorgen und Alltagsereignisse, als wär's nie anders gewesen. Von Corona keine Spur. Und die Schwalldusche schwallt seit Mittag auch wieder.

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